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Praxisempfehlung

Entwicklung von Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der neurologischen Rehabilitation: Parkinson-Syndrom und Multiple Sklerose


Projektleitung:
Dipl. Psych. Hanna Kampling
Dr. Jutta Küst
Prof. Dr. Oskar Mittag

Projektlaufzeit: Januar 2017 – Juni 2018

Förderer: Deutsche Rentenversicherung

Hintergrund

Psychologische Interventionen sind in Deutschland ein fester Bestandteil im Behandlungsspektrum der medizinischen Rehabilitation. Obwohl die vorliegenden Leitlinien der Fachgesellschaften oder die Therapiestandards der Deutschen Rentenversicherung psychologische Interventionen explizit einschließen, sind sie häufig nicht ausreichend differenziert, um praktisches psychologisches Handeln im Einzelfall leiten zu können.

Vor diesem Hintergrund wurden in zwei bereits abgeschlossenen Projekten Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in Rehabilitation von Patienten mit chronischem Rückenschmerz oder koronarer Herzerkrankung (Laufzeit: 2009-2012) sowie für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, onkologischen Erkrankungen (Mamma-, Prostata- und Kolonkarzinom) oder Schlaganfall (Laufzeit: 2014-2016) entwickelt. In dem hier vorgestellten Folgeprojekt sollen zusätzlich zum Schlaganfall für den Indikationsbereich Neurologie Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der Rehabilitation von Patienten mit Parkinson-Syndrom oder Multipler Sklerose erarbeitet werden.

Ziel des Projektes ist es, detaillierte Empfehlungen für psychologische Interventionen zu formulieren, die in Abhängigkeit von bestimmten Problemlagen indiziert sind. Um eine gezielte Zuweisung zu den entsprechenden Angeboten zu unterstützen, sollen außerdem diagnostische Verfahren benannt werden, durch die psychologisch relevante Problemlagen der Rehabilitanden festgestellt werden können. Anders als in den Vorgängerprojekten zu den anderen somatischen Indikationsbereichen sollen für die drei neurologischen Indikationsbereiche Schlaganfall, Parkinson-Syndrom und Multiple Sklerose gemeinsame, modular aufgebaute Empfehlungen entwickelt werden, um das spätere, praktische Arbeiten mit diesen zu erleichtern. Den drei Indikationsbereichen gemeinsame Problemlagen werden in einem allgemeinen Grundmodul Neurologie zusammengefasst. Im Weiteren werden spezifische Module für jeden Indikationsbereich erarbeitet, die spezifische oder den jeweiligen Erkrankungen eigene Problemlagen und Vorgehensweisen darstellen. In diesem Kontext sind große Synergieeffekte aus dem Vorgängerprojekt zu erwarten, da hier eine Aufbereitung aller relevanten neurologischen Aspekte aus dem Indikationsbereich Schlaganfall bereits erfolgte.

Projektablauf und Methode

  1. Zunächst sollen die vorliegenden nationalen und internationalen Leitlinien und systematischen Reviews für die Behandlung von PatientInnen mit den jeweiligen Erkrankungen (Parkinson-Syndrom und Multiple Sklerose) systematisch recherchiert und bezüglich psychologsicher Interventionen ausgewertet werden.  Bei der Auswertung und Zusammenfassung soll die Übertragbarkeit der Empfehlungen (z. B. hinsichtlich Therapiedichte und -dauer) auf das deutsche Rehabilitationssystem einschließlich der Nachsorgeprogramme und des ambulanten Versorgungssystems berücksichtigt werden. Angaben zu den bestehenden Strukturen im ambulanten und stationären deutschen Rehabilitationssystem können hier dem Vorgängerprojekt entnommen werden (siehe auch Kampling et al. 2015).
  2. Auf Grundlage der Evidenz, der Leitlinien sowie der Angaben zu bestehenden Strukturen werden zunächst relevante, spezifische Problemlagen identifiziert und dann entsprechende Aspekte bezüglich des diagnostischen und therapeutischen Vorgehens strukturiert dargestellt. Es werden daher je nach Problemlage spezifische diagnostische Vorgehensweisen und therapeutische Angebote in Form einer Toolbox oder eines Behandlungsalgorithmus bereitgestellt, die es ermöglichen, je nach Problemlage das entsprechende diagnostische Vorgehen zu wählen, um dann die passende Behandlung einzuleiten. Auf Basis dieser Ergebnisse wird eine Pilotversion der neurologischen Praxisempfehlungen formuliert, die die Diskussionsgrundlage für einen Expertenworkshop bildet. Als Ergebnis der zweiten Projektphase sollen konsentierte Konsultationsfassungen der Praxisempfehlungen für das Grundmodul Neurologie und die spezifischen Module Parkinson-Syndrome und Multiple Sklerose entwickelt werden.
  3. Die Konsultationsfassungen werden im Rahmen einer Anwenderbefragung mit der Bitte um Kommentierung an die leitenden Psychologen und Chefärzte aller neurologischen Rehabilitationseinrichtungen geschickt. Zudem werden innerhalb von Rehabilitanden-Kleingruppen zentrale Aspekte der Praxisempfehlungen diskutiert.
  4. Ziel der vierten Projektphase ist die Revidierung der Praxisempfehlungen für das Grundmodul und die spezifischen Module (Parkinson-Syndrome und Multiple Sklerose) sowie die abschließende Konsentierung durch alle ExpertInnen. Die final konsentierten Praxisempfehlungen sollen auf der Homepage der Sektion für Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung als PDF zur Verfügung gestellt werden. Es ist vorgesehen, die Chefärzte sowie die leitenden Psychologen der Einrichtungen hierüber per E-Mail zu informieren.